SCHAU- UND SICHTUNGSGARTEN HERMANNSHOF IN WEINHEIM

Heute möchte ich euch ein Kleinod vorstellen, das ich vor einiger Zeit durch Zufall entdeckt habe: den Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim. Jahrelang habe ich direkt daneben geparkt, um zum Frühstücken oder Shoppen über den Marktplatz in die Innenstadt zu gehen. Aber wie heißt es so schön im Baedecker: man sieht nur, was man weiß. Also einfach mal am Parkplatz „Roter Turm“ auf der anderen Seite der Straße durch das gusseiserne Törchen in den wunderschönen Park geschlendert.
Täglich von 10-19 Uhr geöffnet, auch an Feiertagen, Eintritt frei.
Parken gegen Gebühr am Parkplatz „Roter Turm/Grabengasse“, „Schlossgarten“ oder „Babostraße“.

Wenn es euch im Detail interessiert, was es dort zu sehen gibt, lest hier einfach weiter…

Die Geschichte des Hermannshofes
Der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof ist in seiner heutigen Form ein Vermächtnis der Weinheimer Unternehmerfamilie Freudenberg, wenngleich es bereits Ende des 18. Jahrhunderts an dieser Stelle einen Garten gab, der im Stil des Barock gehalten war. Es war der Sommersitz des Freiherrn Lambert von Babo und seiner Familie. 1820 liess er die klassizistische Villa im Park errichten. Bald wurde das Anwesen der kunstsinnigen Familie von Babo ein Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in Weinheim.

1888 erwarb Hermann-Ernst Freudenberg das Anwesen. Daher seit 1900 der Name Hermannshof. Die repräsentative Villa auf dem über 2 ha großen Gelände wird bis heute für Firmenveranstaltungen der Firma Freudenberg genutzt. Hermann-Ernst Freudenberg und seine Frau Helene waren enthusiastische Pflanzen- und Gartenliebhaber und legten den Grundstock an heimischen sowie exotischen Gehölzen und Stauden.

Ab 1924 wurde von dem Gartenarchitekten Prof. Heinrich Wiepking-Jürgensmann ein Konzept und eine Struktur in den riesigen Garten gebracht und er somit für die nächste Generation in Person von Ida Freudenberg nach ihren Wünschen umgestaltet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Park zwar von den Amerikanern besetzt, aber trotzdem weitergepflegt.
Ab Mitte der 1970er Jahre übernahm die Firma Freudenberg den Hermannshof. Bis dahin wurde er von der Familie privat bewohnt.
1980 hat sich der Garten zu einem Schau- und Sichtungsgarten in Form eines eingetragenen Vereins umgewandelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der Garten wird nach wie vor zu 70% von der Firma Freudenberg finanziert und erhält damit seine einzigartige Selbständigkeit und Unabhängigkeit. 20% der Kosten übernimmt die Stadt Weinheim und 10% erwirtschaftet der Garten selbst, z.B durch Publikationen, wissenschaftlichen Betrieb und Samenverkauf in alle Welt.

Das Konzept des Hermannshofes
Das Konzept ist absolut wissenschaftlich fundiert. Hier werden im milden Bergsträßer Klima verschiedene Gehölze und Stauden hinsichtlich ihrer Verwendung in öffentlichen Anlagen und Privatgärten getestet. Daher ist ein Besuch hier unglaublich inspirierend, wenn man einen eigenen Garten hat und Anregungen für Bepflanzungen daheim sucht.

Der Garten ist in verschieden Zonen gegliedert: Gehölz und Gehölzrand, Freiflächen, Steppenheide und Felssteppen, Wasserrand und Wasser, Beete.


Zum Vergrößern bitte anklicken.

So hat man beispielhaft Pflanzungen vor Augen, die in trockenen, feuchten, sonnigen, schattigen oder felsigen Lagen funktionieren. Es wird auch auf Resistenzen gegen Pflanzenkrankheiten, Blühfähigkeit in verschiedenen Jahreszeiten, Verträglichkeit mit anderen Pflanzennachbarn und Schmuckwirkung getestet.

Im Hermannshof findet man zu jeder Zeit ein anderes Bild vor, was sehr interessant ist. Immer blüht etwas und man sieht genau, welche Pflanzenart zu welcher Jahreszeit an welchem Standort ihre schönste Wirkung entfaltet. Daraus kann man die jeweils optimalen Bedürfnisse hinsichtlich Licht, Wasserbedarf und Bodenverhältnissen ablesen. So entstehen wunderbare Kombinationen mit anderen Arten ähnlicher Ansprüche.

Im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof sind nur Pflanzen anzutreffen, die in unserem heimischen Klima ohne übertriebenen Aufwand zu erhalten und zu pflegen sind. Die meisten Stauden werden in der eigenen Gärtnerei vor Ort herangezogen. So ist ein gigantischer Fundus von über 2.500 Staudenarten entstanden.

Sogar Studenten der FH Wiesbaden studieren hier botanische Kompositionen für ihr späteres Berufsleben als Landschaftsplaner.

Der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof erfordert jährlich ca. 5.200 Arbeitsstunden und alleine im Herbst werden 18.000 Blumenzwiebel gesteckt. An der Pracht, die daraus entsteht, erfreuen sich jedes Jahr etwa 100.000 Besucher.

Alle Fotos stammen von mir. Kopie und Nutzung sind ohne vorherige, schriftliche Genehmigung nicht erlaubt.

Schreibe einen Kommentar