FELSENMEER IN REICHENBACH

Bei uns vor der Haustür gibt es ein geologisches Naturwunder, das wir, da wir es ständig direkt vor der Nase haben, vielleicht gar nicht mehr so richtig zu schätzen wissen: das Felsenmeer. Es liegt zwar schon im Lautertal und damit für viele eher im vorderen Odenwald, aber für mich ist es auch noch Teil unserer schönen Bergstraße. Es ist von oben über den Felsberg zu erreichen, dort gibt es den Parkplatz am Ohlyturm oder von unten im Tal über Reichenbach, wo die Parkplätze Talweg und Felsenmeer zur Verfügung stehen. Eintritt wird nicht erhoben, dafür kostet das Parken am Parkplatz Felsenmeer 4,-€. Achtung: der Automat nimmt keine Scheine und gibt kein Wechselgeld.

Der Legende nach hat der Streit zwischen zwei Riesen das Felsenmeer geschaffen, aber wie es wirklich entstanden ist, könnt ihr hier lesen…

Der Sage nach soll das Felsenmeer durch zwei Riesen auf dem Felsberg „Felshocker“ und dem Hohenstein „Steinbeißer“ entstanden sein, die sich im Streit so lange mit Felsbrocken bewarfen, bis sie beide unter einem „Meer aus Felsen“ begraben wurden.

Tatsächlich hat das Felsenmeer im Lautertal natürlich eine andere Entstehungsgeschichte. Diese begann vor 340 Millionen Jahren, als an dieser Stelle zwei Kontinentalplatten kollidierten und ein riesiges Gebirge auftürmten. Das Gebiet des heutigen Odenwaldes lag damals übrigens ungefähr auf der Höhe des Äquators. Das durch die immensen Reibungskräfte entstandene geschmolzene Gestein quoll als Magma in den Kern der Berge und wurde in den folgenden Millionen Jahren durch Abtragung und Schrumpfung der Oberfläche freigelegt.

Durch Abkühlungsprozesse und Wassereinbrüche in Folge ansteigender Meeresspiegel zersprangen die Felsblöcke in riesige Fragmente. Wechselnde warme und kalte Klimaperioden bewegten die Felsen talabwärts. Dabei wurden die kieselähnlichen Gebilde rundgeschliffen, die sogenannte Wollsackverwitterung setzte ein. Dazwischen liegender Schutt wurde weggespült.

Der hochwertige Granitstein (genauer: Quarzdiorit) lockte bereits im 2.-4. Jahrhundert die Römer an, die hier mit eisernen Keilen die Steine bearbeiteten und spalteten.

Einige defekte, zurückgelassene Artefakte römischer Steinmetze wie die Riesensäule, die Pyramide oder der Altarstein sind noch vor Ort zu sehen. Viele Steine und fertige Säulen wurden abtransportiert und verbaut, z.B. im Trierer Dom.

Auch Launen der Natur, die sogenannten Naturdenkmäler, wie das Krokodil gibt es zu bestaunen.

Oder meine kleinen Lieblingsbewohner:

Es gibt viele kleine Felsenmeere im dortigen Bereich am Felsberg und im Lautertal, aber das große, bekannte Naturdenkmal erstreckt sich von der Riesensäule oben bis hinunter zur Lochwiese über eine enorme Fläche. Bereits im Jahr 1645 berichtete der Merian von zahlreichen Besuchern, die von dem imposanten Anblick beeindruckt waren. Im oberen Bereich gibt es auch eine Quelle, deren Wasser durchs Felsenmeer plätschert und im Tal in den Gaulbach mündet. Hier soll sich die berühmte Siegfriedquelle befinden, die der mögliche Ort der Ermordung Siegfrieds im Nibelungenlied war.

Jährlich mehr als 100.000 Besucher lockt dieses faszinierende Naturschauspiel an, so daß sogar ein Besucherzentrum im Tal erichtet wurde, im dem Touristen, Interessierte und Schulklassen mit Informationen versorgt werden. Auch Restaurants und ein Kiosk befinden sich in der Umgebung.


Zum Vergrößern bitte anklicken.

Alle Fotos stammen von mir. Kopie und Nutzung sind ohne vorherige, schriftliche Genehmigung nicht erlaubt.

Schreibe einen Kommentar